INTERNATIONAL SUMMER FESTIVAL 2023

Von 14.-18. Juni 2023 fand – wieder im Gartenbereich des Wiener Metropol – mein drittes INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL of THE STORY OF JAZZ statt. Es waren 4 komplett unterschiedliche Spieltage – mit 17 verschiedenen Bands, 4 Abendkonzerten plus einem Nachmittagskonzert, gespielt von 17 immer wieder neu kombinierten Musikerinnen und Musikern aus 10 Nationen. Mein Freund und Mentor, die Jazzlegende Hank Jones, stand mit der von seinem Great Jazz Trio eingespielten CD namens „KJLH“ als Namenspate für das diesjährige Jazz-Festival: Kindness! Joy! Love! Happiness!

Das bewährte Konzept der Jahre 2021 und 2022 führte ich weiter. Auch 2023 hieß es: wie einst in Newport, Nizza und Montreux! Mit großen Namen, aufstrebenden Newcomern und spontanen Sessions. Mit erlesenen Gästen aus Europa, den USA und diesmal auch Afrika und Südamerika rund um das Kurt Prohaska Trio. Vokal und instrumental. Dazu Great Food & Cool Drinks. 4 Abende (und einen Kinder-Nachmittag) lang: Kindness, Joy, Love & Happiness @ Metropol!

INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL 2023 of THE STORY OF JAZZ @ Wiener Metropol, by Martin Weber

Acting Musicians

Štefan Pišta Bartuš (SVK) – double bass

Štefan Pišta Bartuš, by Martin Weber, 2021

Štefan Pišta Bartuš, zweifellos einer der besten slowakischen Bassisten mit erstaunlicher Technik, unbeirrbarem Timing und immensem Gefühl, stand bereits 2021 beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL auf der Bühne des Wiener Metropol. Mit Ensembles verschiedener Musikgenres, insbesondere Klassik, Ethno, Weltmusik und Gospel hat er sich auf Festivals in den USA, der Türkei, Russland, China, Indien, Kuba, Südafrika und den meisten EU-Ländern gezeigt. Im Jazz-Bereich kooperierte er mit Top-Meistern wie Benny Golson, Peter Erskine, Bill Evans, Danny Grisset, Antonio Farao, Andy Middleton, Harry Sokal, Fritz Pauer und last, but not least, Howard Curtis.

Dem Letztgenannten beim diesjährigen Jazz-Festival wieder zu begegnen und mit ihm eine hochkarätige Zweidrittel-Mehrheit im Kurt Prohaska Trio zu bilden, versprach einiges an Höhepunkten. Štefan Pišta Bartuš gehörte darüber hinaus dem Joander Cruz Quartet bei einer Reminiszenz an Paul Desmond und Dave Brubeck an, ergänzte die Gitarrensaiten von Haris Cicic mit Bass-Saiten und baute der brasilianischen Sängerin Jacqueline Patricio DA LUZ das gewünschte Bossa Nova-Fundament. Im Bereich Swing und Bebop lagen seine Auftritte mit der Sängerin Lady Lili Mae, dem Dizzy Quintet des Trompeters Jordi Roviró und bei der Metropol Jazz Society.

Haris Cicic (CRO) – guitar

Haris Cicic (guitar), by Ifeta Ibracevic

Haris Cicic war eines der neuen jungen Gesichter bei THE STORY OF JAZZ. Er präsentierte und repräsentierte ein Instrument, das beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL noch nie verteten war: die Akustik-Gitarre. Geboren in Zagreb, Kroatien, hat Haris Cicic mit 8 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Nach seiner Matura zieht er nach Wien, um hier Musik zu studieren. Auf der Jazz-Abteilung der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) macht er seinen Bachelor, an der KUG (Kunst Uni) in Graz seinen Master, dann noch ein Musikpädagogik-Diplom am JAM MUSIC LAB in Wien. Er unterrichtet seit mehreren Jahren in Wien und tritt bei (überwiegend Jazz-)Konzerten auf. Mit seinem ebenso virtuosen wie feinfühlige Gitarrenspiel wird er rasch zum begehrten Begleiter und Solisten, unter anderem im Wiener Jazz & Music Club Porgy & Bess oder im Schauspielhaus Graz.

Haris Cicic nahm beim Jazz-Festival die seltene Gelegenheit wahr, das enorme Blues-Feeling des US-Gitarristen Grant Green wieder auferstehen zu lassen, um dann im Stil von Antonio Carlos Jobim der brasilianischen Sängerin Jacqueline Patricio DA LUZ einen samtweichem Bossa-Nova-Teppich auszurollen. Mit seiner Erfahrung als Musikpädagoge kam Haris Cicic eine besondere Rolle beim sonntäglichen Kids Special – Jazz 4 Fun zu. Und am Sonntag abend durfte man ihn als einen der „Friends“ des amerikanischen Posaunen-Stars Ed Neumeister und bei den Final Session Festival All Stars mit swingendem Mainstream Jazz genießen.

Joander Cruz (BRA) – alto saxophone

Joander Cruz (alto saxophone), by Leon Reis

Der blutjunge, aus Brasilien stammende Saxophonist Joander Cruz brachte ein immenses Repertoire an lateinamerikanischer Musik mit, gepaart mit einem tiefen Verständnis des gesamten Modern Jazz – von Bebop bis Cool. Er studierte klassisches Saxophon und brasilianische populäre Musik an der Universidade Federal da Bahia und machte sein Masterstudium Jazz Performance an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Nach intensiven Jahren mit Konzerten und Tourneen in Albanien, dem Kosovo, Spanien und Deutschland tritt Joander Cruz nun des Öfteren auch in Wien auf.

Beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL 2023 der STORY OF JAZZ spielte Joander Cruz in Anlehnung an das Dave Brubeck Quartett eine Hommage an Paul Desmond, den Komponisten eines der größten Jazz-Hits aller Zeiten: „Take Five“. Eine Brazilian Night mit „Jobim’s Themes“ gab es, als Joander Cruz auf die ebenfalls brasilianische Vokalistin Jacqueline Patricio DA LUZ traf.

Joander Cruz konnte leider nur an einem einzigen Abend beim Jazz-Festival auftreten, und zwar dem Eröffnungstag (14. Juni).

Howard Curtis (USA) – drums

Howard Curtis (drums), by Martin Weber

Der Afro-Amerikaner Howard Curtis führte uns am ersten und zweiten Festival-Tag (14. & 15. Juni 2023) direkt ins Zentrum der Jazz-Geschichte, kann er doch auf eine mehr als 30-jährige Karriere als Drummer, Perkussionist und Dozent zurückblicken. Er hat mit Stars wie Dave Liebman, Bob Mintzer, Joe Locke, Barry Harris, John Abercrombie, Jimmy Heath, Lionel Hampton und Kirk Lightsey gearbeitet und ist auf Jazz- und Musik-Festivals in aller Welt aufgetreten, inklusive Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Russland, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, der Türkei – und jetzt auch Österreich. Er bereicherte am ersten Festivaltag das Kurt Prohaska Trio, spielte im Joander Cruz Quartet, verstärkte die Green Energy von Haris Cicic und zählte mit seinem Bossa Feeling zu den Latin Lovers von Jacqueline Patricio DA LUZ. Am zweiten Festivaltag feature-te Howard Curtis zusammen mit mir den Bass-Virtuosen Štefan Pišta Bartuš, unterstützte Lady Lili Mae bei ihrer Begegnung mit Ella Fitzgerald, entwickelte in Jordi Roviro’s Dizzy Quintet afro-kubanische Rhythmen mit überschäumenden Bebop-Feeling und nahm in der Metropol Jazz Society, einer Überraschungsband, den ihm gebührenden Platz ein.

Howard Curtis‘ Worte zu mir: „Thank you very much, I really enjoyed being a part of your festival. Lets do it again.“

Vladimir Kostadinovic (SRB) – drums

Vladimir Kostadinovic (drums) by Edin Cicko

Vladimir Kostadinovic, preisgekrönter Schlagzeuger, Bandleader, Komponist und Arrangeur, ist einer der gefragtesten Schlagzeuger der europäischen Jazz-Szene. Seine musikalische Ausbildung begann im Alter von fünf Jahren. Er absolvierte die Grund- und Mittelschule für Musik in Belgrad und machte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz seinen Master in der Klasse von Professor Howard Curtis (!) mit Auszeichnung. Seine Zusammenarbeit mit Musikern von Weltformat (unter anderem in der Jazz-Metropole New York) liest sich wie ein Lexikon des Jazz. Die bekanntesten Namen darunter, aber nur ein winziger Teil von allen, sind vielleicht Till Brönner, Chico Freeman, Benny Golson, Danny Grissett, Joe Locke, Didier Lockwood, Jane Monheit, Gregory Porter, Bill Ramsey und Jim Rotondi.

Vladimir Kostadinovic war im zweiten Teil des Jazz-Festivals (Sa., 17., und So., 18. Juni) zu hören. Der Vergleich mit seinem Universitätsprofessor Howard Curtis, der im ersten Teil (Mi., 14., und Do., 15. Juni) am Schlagzeug saß, war extrem spannend. Besondere Highlights wurden seine Auftritte mit dem Posaunen-Weltmeister Ed Neumeister und dem begnadeten Tenorsaxophonisten Primo Salvativ.

Jonathan Hamouda Kügler (TUN/GER) – vocals, tap dance

Jonathan Hamouda Kügler (vocals, tap dance)

Beim Kapitel „Stompin‘ At The Savoy“ der STORY OF JAZZ hat er auf Anhieb die Herzen seiner Begleitmusiker, seiner Bühnenkollegin Lady Lili Mae und des Publikums erobert: der Jazz-Newcomer Jonathan Hamouda Kügler. Nein, es ist kein Widerspruch, einem Musical-Darsteller einen Platz in einem Jazz-Konzert zu geben. Gerade weil sich ein solcher in umfassendstem Sinn als Performing Artist versteht, setzt er alle seine vielschichtigen Fähigkeiten ein, das Publikum bestens zu unterhalten: Gesang, Tanz, Stepptanz und Rollenspiel. Damit glänzte der aus Deutschland kommende, mit tunesischen Wurzeln behaftete Jonathan Hamouda Kügler auch beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL.

Besonders prädestiniert war der mitreißende Schauspieler für das „Kids Special – Jazz 4 Fun!“ Ihn zusammen mit Lady Lili Mae singend und tanzend über die Bühne fegen zu sehen, war nicht nur für Kinder ein Riesenspaß. Am Sonntag-Abend dann war die Bühnenshow nicht minder humorvoll, aber etwas subtiler, als Jonathan Kügler und Lady Lili Mae sich in einem Gesangsduett als Entertainer à la Tony Bennett und Lady Gaga zeigten.

Lady Lili Mae (SRB) – vocals

Lady Lili Mae (vocals) by Martin Weber

Zwei Tage lang (15. & 18. Juni 2023) bezauiberte die Vokalistin Lady Lili Mae mit ihrer nuancenreichen Stimme und ihrer mitreißenden Bühnen-Performance das Publikum. Während sie für ihren ersten Auftrittstag (15. Juni) ein gesangliches Treffen mit Ella Fitzgerald in Hollywood versprach und auch zur Metropol Jazz Society gehörte, hatte sie an ihrem zweiten Auftrittstag (18. Juni) ein noch größeres Bühnen-Pensum zu absolvieren: beim nachmittäglichen Kids Special sorgte sie mit Gesang, Tanz und einer quirligen Bühnenshow für „Jazz 4 Fun!“ Am Abend trat sie zusammen mit dem Jazzsänger und Musical-Darsteller Jonathan Kügler in vokale „Duets & Duels“ im Stil von Lady Gaga und Tony Bennett auf. Und dass sie bei der Final Session zu den Metropol All Stars zählte, begeisterte das Publikum ganz besonders.

Paul Müller (AUT) – double bass

Paul Müller (double bass), by Martin Weber

Mit Paul Müller zu arbeiten, hatte ich schon das Vergnügen, lange bevor es THE STORY OF JAZZ gab. Er fasziniert mit einem absoluten Gehör, der Fähigkeit, alles vom Blatt spielen zu können, einem tiefen harmonischen Verständnis und der damit verbundenen großartigen Eigenschaft, jeder noch so extravaganten melodischen oder harmonischen Variation eines Pianisten im Bruchteil einer Sekunde folgen zu können. Legendär sind seine Bass-Soli, insbesondere die, in denen er sich mit dem Schlagzeuger auf halsbrecherische rhythmische Eskapaden einlässt.

Dass der an der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) ausgebildete Multiinstrumentalist – er spielt auch E-Bass, Gitarre, Posaune und Tenorhorn – auch ein Diplom der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien in den Bereichen Musikerziehung, Instrumental- und Gesangspädagogik hat und an verschiedenen Musikschulen unterrichtet, machte ihn beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL zum First-Call-Bassisten des Kinder- und Familienprogramms „Jazz 4 Fun!“ am Sonntag nachmittag.

Ed Neumeister (USA) – trombone

Ed Neumeister (trombone)

Einen Ed Neumeister für das INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL 2023 der STORY OF JAZZ gewinnen zu können, war schon ein Riesen-Glück. Fachpresse, Musiker-Kollegen und Publikum sprechen von ihm nur in den höchsten Tönen und nennen ihn den „Picasso der Musik“, eine „lebende Jazz-Legende“, einen „unterbewerteten Riesen“. Als Performer steht er seit mehr als 40 Jahren an der Spitze der kreativen Musik und entwickelte dabei einen einzigartige Posaunen-Klang.

Ed Neumeister ist das, was man einen „Musician’s Musician“ nennt. Der stilbildende Posaunist Bob Brookmeyer lobte ihn schon früh als „einen begnadeten Improvisator“, während der Komponist und Arrangeur Manny Albam Neumeister als „die perfekte Mischung eines Musiker“ pries: „Er kennt Ellington so gut wie Bartok.“ Saxophon-Star Joe Lovano schätzt Neumeister seit rund vier Jahrzehnten „als Solisten mit tiefer ausdrucksstarker Leidenschaft“. Gemeinsam spielten die beiden zuerst im Mel Lewis Jazz Orchestra, der Nachfolge-Bigband des Thad Jones/Mel Lewis Orchestra’s und dem Vorläufer des Vanguard Jazz Orchestra’s, im letzten Jahrzehnt im Joe Lovano Nonet. Aber damit nicht genug: Ed Neumeister arbeitete für und mit Welt-Stars wie Sarah Vaughan und Frank Sinatra und bereicherte in den 1980ern das Duke Ellington Orchestra sowohl als Spieler als auch als Arrangeur.

Ed Neumeister bei diesem kleinen Jazz-Festival in Wien begrüßen zu dürfen, war eine große Freude und Ehre für mich und die Wiener Musikwelt. Der Posaunist verweist nicht auf THE STORY OF JAZZ, er IST ein Teil davon, und was für einer!

Zu hören war Ed Neumeister am Samstag, 17. Juni, als Leiter eines Quartetts und in einem zweiten Set als einer der Golden Men of Swing der Vokalistin Jacqueline Patricio DA LUZ. Am Sonntag, 18. Juni, scharte Neumeister handverlesene „Friends“ – darunter den kroatischen Gitarristen Haris Cicic – um sich und ließ sich darüber hinaus auf „Duets & Duels“ mit dem italienischen Saxophonisten Primo Salvati ein. Eine besondere Freude war es, Ed Neumeister auch noch als krönenden Abschluss des Festivals spontan bei den Final Session Festival All Stars erleben zu dürfen.

Matej Novak (SVK) – alto saxophone

Matej Novak (alto saxophone)

So sollte es sein bei einem Jazz-Festival wie diesem: es musste auch Überraschungsgäste geben. Ein solcher war der mir zuvor noch völlig unbekannte, erst 24-jährige Alt-Saxophonist Matej Novak aus der Slowakei. Ins Spiel gebracht wurde er vom spanischen Trompeter Jordi Roviró, der am 15. Juni mit seinem „Dizzy Quintet“ eine Hommage an den Bebop-Miterfinder Dizzy Gillespie spielte. Gefragt, wen er als Saxophonisten in seinem Quintett haben möchte, nannte er ohne zu zögern Matej Novak als den Alt-Saxophonisten seines Vertrauens.

Matej Novaks Biographie liest sich durchaus beeindruckend: nach einem 5-jährigen Konservatoriums-Studium in der Slowakei vertieft der junge Musiker seine Saxophon-Kenntnisse gerade am MUK, der Musik und Kunst Privatuniversität in Wien und zählt hier mit Auftritten in den Top-Clubs Porgy & Bess, Jazzland, Zwe und Club1019 zu den gefragten Begleitern und Solisten der Szene. Schon mit 17 Jahren macht er im Prague National Orchestra bei einer Elvis Tour mit Priscilla Presley auf sich aufmerksam. Seit 2021 spielt Matej Novak unter anderem in der Band von Peter Lipa, der als Sänger, Komponist und unermüdlicher Promoter als „Vater des slowakischen Jazz“ verehrt wird. Eine 2-wöchige Benelux Tour mit dem Slovakian State Orchestra hinterlassen ebenso Spuren wie eine Tour durch Skandinavien, Polen, die tschechische Republik, Österreich, Ungarn, Italien und Spanien. Und dass Matej privat auch noch beim Weltklasse-Saxophonisten Andy Middleton Unterricht nimmt, kann als weiteres Plus vermerkt werden.

Das Resümee: ein phänomenaler Newcomer, der sich am 15. Juni auch der Gala-Band, der Metropol Jazz Society, anschloss.

Jacqueline Patricio DA LUZ (BRA/AUT) – vocals

Jacqueline Patricio DA LUZ (vocals), by Maria Frodl

Welche Freude, bei THE STORY OF JAZZ und insbesondere dem INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL einmal eine Sängerin mit südamerikanerischen Wurzeln auf der Bühne begrüßen zu dürfen: the one and only Jacqueline Patricio DA LUZ!

Jacqueline’s musikalische Ausbildung begann bereits in frühen Jahren durch ihren Vater, der sie in die brasilianische Musik einführte. Ihre musikalischen Idole waren von jeher in erster Linie die brasilianischen Komponisten, wie Antonio Carlos Jobim, Baden Powell, Carlos Lyra, Jorge Ben und viele mehr. Später kamen die großen amerikanischen Komponisten wie Cole Porter, Irving Berlin, George Gershwin hinzu, kurz alle, die als die klassischen Komponisten des Great American Songbooks gelten.

Die seit vielen Jahren in Österreich lebende Sängerin arbeitete sowohl live als auch für Studioproduktionen mit Top-Künstler wie Christian Kolonovits, Friedrich Gulda, Udo Jürgens, Gary Lux, Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, und Uwe Ochsenknecht zusammen, im Jazz-Bereich vor allem mit Marianne Mendt, Hans Salomon, Richard Österreicher und Karl Ratzer.

Jacqueline Patricio DA LUZ ließ alle gleich am Eröffnungstag (14. Juni) in einer Brazilian Night den Sound of Bossa Nova à la Antonio Carlos Jobim spüren, begleitet von einer Band, die lateinamerikanische Musik im Blut hat – allen voran der ebenfalls brasilianische Altsaxophonist Joander Cruz und der auf der akustischen Gitarre spielende Haris Cicic. Am dritten Festival-Tag (17. Juni) scharte Jacqueline ein paar Golden Men of Swing um sich, um auch einigen der Komponisten des Great American Songbooks die Ehre zu erweisen.

Helmut Prohaska (AUT) – drums

Helmut Prohaska (drums)

Es wurde familiär beim INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL 2023 der STORY OF JAZZ. Das war zwar die Jahre davor auch so, aber nur im atmosphärischen Sinn – eine Besucherin sprach: „Besonderes Highlight: Interpretinnen und Interpreten saßen an Tischen mitten im Publikum, jederzeit fürs Fachsimpeln bereit.“ Heuer aber durfte der Begriff „familiär“ wörtlich genommen werden: es war mir eine besondere Freude, meinen Bruder Helmut Prohaska, einen gediegenen Swing-Schlagzeuger, beim Jazz-Festival begrüßen zu dürfen. Helmut war – ausgestattet mit einem vielschichtigen Kulturverständnis inbesondere des angelsächsischen und französischen Sprachraums und dank seiner beruflich wie privat praktizierten Einfühlsamkeit in die Mentalität von Kindern – eine tragende Säule des Kids Special’s „Jazz 4 Fun!“ am Sonntag nachmittag (18. Juni).

Ähnlich wie bei meinem Freund und Mentor, der Jazz-Legende Hank Jones, der immer wieder bedauerte, nicht mehr mit seinem Bruder Elvin, dem stilbildenden Drummer des Modern Jazz gearbeitet zu haben, überschneiden sich auch Helmuts und mein musikalischer Weg nur bei besonderen Gelegenheiten. Diesmal bauten wir das nun doch schon seit mehr als einem Jahrzehnt existierende, von uns beiden kooperativ geführte „Pros & Cons Jazz Trio“ zu einem „Pros & Cons Swing & Dance Orchestra“ aus, um Kindern und Jugendlichen und deren Eltern und Verwandten den Spaß am Jazz zu vermitteln – mit einer ebenso informativen wie lustigen Instrumentenkunde, männlichem und weiblichem Gesang, Swing-Dance und Stepptanz, einer mitreißenden Bühnenshow und der Einladung an besonders Interessierte, mit eigenem Instrument und/oder Körpereinsatz – Stimme, Klatschen, Stampfen, Klopfen – mitzuspielen. Ging das ohne Probe? Im Jazz: ja!

Kurt Prohaska (AUT) – piano, musical direction

Kurt Prohaska (piano), by Martin Weber

Schon zum dritten Mal schlüpfte ich, Kurt Prohaska, heuer in die Kombi-Rolle Impresario, musikalischer Leiter, Festival-Pianist. George Wein, der Gründer des Newport Jazz Festival’s und Urvater dieses und vieler weiterer Jazz-Festivals, machte es mir vor. Er bewies auch, dass es vielleicht nicht ganz falsch ist, sich für eine gute Sache – und als solche betrachte ich diese Musik – mit allen Fasern seines Lebens einzusetzen: George Wein wurde 96 Jahre alt.

Was mich natürlich von George Wein unterscheidet: seine Festivals hatten eine von mir nie erreichbare Dimension – mit über die Jahre hinweg hunderten von Musikerinnen und Musikern von Weltformat, als regionales, ja nationales kulturelles Großereignis, mit einer breiten internationalen Wahrnehmung. Aber auch mein Jazz-Festival wächst: heuer waren es vier Spieltage mit 17 verschiedenen Bands unterschiedlicher Größe, 4 Konzertabenden plus einem Nachmittagskonzert, gespielt von knapp 20 immer wieder neu kombinierten First Class-Musikerinnen und -Musikern aus 10 Nationen – von Newcomern bis Jazz-Legenden. Meine Hoffnung war, dass mein INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL hinreichend öffentlich wahr- und angenommen wird und ich wenigstens das auf eigenes Risiko eingesetzte Festival-Budget wieder einspiele. Und nicht zuletzt dank eines Fernseh-Reportage des ORF über das Jazz-Festival erfüllte sich meine Hoffnung.

Als musikalischer Leiter und Pianist fieberte ich dem jährlichen Höhepunkt meiner Konzertserie THE STORY OF JAZZ in Vorfreude, aber auch einer nicht unbeträchtlichen Nervosität entgegen. Es waren größenordnungsmäßig 100 Jazz-Titel auszuwählen, abzustimmen, zu arrangieren, zu üben, wenigstens kurz zu proben und schließlich zu spielen. Stilistisch galt es, einen Bogen über den gesamten klassischen Jazz zu spannen. Eingängige Melodien des Dixieland und des Swing sollten ebenso vertreten sein wie rasante, teilweise auch afrokubanisch rhythmisierte, Bebop-Lines sowie von mehreren Bläsern parallel geführte Hardbop-Themen. Die Entspanntheit des Cool Jazz verband sich mit dem Bossa-Feeling lateinamerikanischer Prägung. Blues und Balladen zeigten, wie vielschichtig Jazz gespielt werden kann.

Dreimal nun schon davor war es ein Erlebnis, gemeinsam mit so wunderbaren Musikerinnen und Musikern aufzutreten und für ein derart begeisterungsfähiges Publikum zu spielen.

Jordi Roviró (ESP/GER) – trumpet

Jordi Roviró (trumpet), by Outreach Festival

Der erst knapp über 20 Jahre alte Jordi Roviró zählte zu den ganz großen jungen Talenten, die sich auf dem INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL 2023 der STORY OF JAZZ präsentierten. Er stammt aus einer katalanisch-deutschen Familie mit vielfältiger Nähe zur Musik und entdeckte schon früh seine Leidenschaft für die Trompete. Bereits als Schüler sammelte er Erfahrungen in Bands und besuchte schließlich ein Jahr lang die Special Music School in Manhattan, New York. Dieser prägende Aufenthalt in den USA führte zu seiner Entscheidung, eine Musikerkarriere anzustreben. Nach dem Unterricht bei renommierten Trompetern in New York, Hamburg und Wien wurde ihm im Jahr 2019 beim Wettbewerb „Jugend Jazzt“ der Lennart-Axelsson-Sonderpreis verliehen. Mit einer intensiven Studienvorbereitung an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg konnte sich Jordi für einen Studienplatz für Jazz-Trompete an der MUK (Privatuniversität für Musik und Kunst der Stadt Wien) qualifizieren.

Gespielt hat Jordi Roviró bereits in bekannten Konzertsälen wie der Merkin Concert Hall in New York City, der Elbphilharmonie (als Mitglied des Elbphilharmonie Publikumsorchesters) und der Laeiszhalle in Hamburg. Auftritte mit verschiedenen Bands brachten ihn in mehrere Hamburger Clubs wie das Birdland und das Cascadas oder auch den Cutting Room Club in New York.

Es ist nicht nur das „Bent Horn“, mit dem sich Jordi Roviró als Verehrer der Jazz-Legende Dizzy Gillespie outet – es ist sein trotz seiner Jugend immenses Verständnis des Trompetenmeisters. Mit seinem Dizzy Quintet konstatierte Jordi am zweiten Festival-Tag (15. Juni): „To Be, or Not … to Bop“. Dass er nicht nur führen, sondern auch begleiten kann, stellte der Trompeter im Rahmen der Metropol Jazz Society mit dezenten Hintergrundstimmen für die Sängerin Lady Lili Mae unter Beweis.

Primo Salvati (ITA) – tenor saxophone, flute

Primo Salvati (tenor saxophone, flute), by Martin Weber

Primo Salvati ist Saxophonist, Klarinettist, Flötist, Pianist und Komponist, und bei THE STORY OF JAZZ kein Unbekannter. Während er voriges Jahr wegen seiner Unterrichtstätigkeit in Rumänien in letzter Sekunde absagen musste, stand der temperamentvolle Italiener heuer dem INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL zwei Tage lang zur Verfügung.

Primo Salvati studierte 2004 bis 2010 klassisches Saxophon in Rom und lebte dann fast ein Jahrzehnt in Wien, wo er an der MUK (Privatuniversität für Musik und Kunst der Stadt Wien) die Studien Instrumental- und Gesangspädagogik, Kompositions- und Musiktheoriepädagogik, Jazz-Saxophon sowie Jazzkomposition und Arrangement absolvierte. Seine musikalischen Interessen reichen von klassischer Musik über Jazz und Improvisation bis hin zu traditioneller osteuropäischer Musik. 2021 wurde Salvati zum künstlerischen Direktor des im rumänischen Siebenbürgen tätigen Vereins ELIJAH bestellt. Der Verein bietet in sechs Dörfern den dort lebenden Jugendlichen Unterstützung in den Bereichen Ausbildung, Arbeit, Soziales und Kultur durch Lehrwerkstätten, Sozialzentren, ein Schülerwohnheim und zwei Musikschulen, in denen 20 Musiklehrerinnen und -lehrer unter der Leitung von Primo Salvati tätig sind. Seit Dezember 2022 arbeitet er als künstlerischer Berater für die Staatsphilharmonie Sibiu.

Primo Salvati spielte mit einem Quartett ein „Tribute to Stan Getz“, dem stilbildenden Cool- und Latin-Saxophonisten, und trat als einer von Jacqueline Patricio DA LUZ‘ Golden Men of Swing auf. Den Kindern und Jugendlichen machte er beim „Kids Special – Jazz 4 Fun!“ am Sonntag nachmittag das Saxophon als lernenswertes Instrument schmackhaft. Fehlen durfte Primo Salvati auch bei der Final Session der Festival All Stars nicht. Besonders interessant war ein Great Jazz Quintet, in dem er zusammen mit der US-amerikanischen Posaunen-Legende Ed Neumeister das gleichnamige Hank-Jones-Quintett mit der ebenfalls nationenübergreifenden 2-Bläser-Frontline Satoru Oda (JPN) – tenor saxophone & Slide Hampton (USA) – trombone wieder auferstehen ließ.

Andreas Waelti (SUI) – double bass

Andeas Waelti (double bass), by Andreas Müller

Der Kontrabassist Andreas Waelti gehört zu den aktivsten Jazzmusikern in Österreich. In verschiedenen Projekten zeichnet sich der in Wien lebende Schweizer vor allem durch seine große musikalische Bandbreite aus. Egal, ob als freier Improvisator oder im klassischen Jazz-Kontext tätig, Andreas versteht es, jede ihm begegnende Musik mit seinem facettenreichen, aufgeschlossenen Spiel zu bereichern. Andreas ist ein Bassist im besten Sinne: Er lenkt die Musik sorgfältig und ahnt, was sie braucht, um Swing zu erzeugen. Sein ausdrucksstarkes Spiel wird von einem satten und singenden Sound angetrieben, der an große Begleiter wie Jimmy Garrison, Gary Peacock und Charlie Haden erinnert.

Andreas Waelti konnte an Tag 3 & 4 des INTERNATIONAL OPEN AIR SUMMER FESTIVAL’s 2023 (17. & 18. Juni) gehört werden. Im Kurt Prohaska Trio wurde er zum „Featured Soloist“, für Ed Neumeister (trombone) und Primo Salvati (tenor saxophone) zum rhythmischen und harmonischen Fundament. Aber auch die stimmgewaltigen Festival-Gäste Jacqueline Patricio DA LUZ, Lady Lili Mae und Jonathan Kügler durften sich über seine solide Unterstützung freuen – und alle auf sein Final Session-Arbeit bei den Festival All Stars.

Christof Zellhofer (AUT) – trumpet, cornet, flugelhorn

Christof Zellhofer (trumpet, cornet, flugelhorn), by Martin Weber

Christof Zellhofer zählt seit der ersten Staffel THE STORY OF JAZZ in der Saison 2015/16 zu den Fixstartern meiner Konzertserie, wenn es um die Trompete, das Kornett oder das Flügelhorn geht. Er bringt alle Voraussetzungen mit, unterschiedlichste Jazz-Größen authentisch zu interpretieren: eine mit Auszeichnung absolvierte Ausbildung in Klassik und Jazz an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und an der Malmö Musikhögskolan, Konzerttätigkeiten im In- und Ausland mit den Wiener Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, dem Orchester der Wiener Volksoper, dem Radio Symphonie Orchester Wien, mit der Jazzwerkstatt Wien, dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien und der Pop-Band DelaDap, vor allem aber die Fähigkeit und Freude, sich mit Leib und Seele auf den Facettenreichtum und die musikalische Intensität der Trompetenlegenden einzulassen.

Christof Zellhofer hat über sein phänomenales Trompetenspiel hinaus – ähnlich wie zum Beispiel Dizzy Gillespie, Clark Terry oder Louis Prima – eine Fähigkeit entwickelt, die er beim „Kids Special – Jazz 4 Fun!“ am Sonntag, 18. Juni, voll einsetzen konnte: den humoristischen Jazz-Gesang. Er stellte also einerseits die Trompetenfamilie in verschiedensten unterhaltsamen Facetten vor, und animierte andererseits mit amerikanischen Schlagern und Pop-Musik aus dem Golden Age of Swing auch zum Mitsingen. Nicht nur für die Kids äußerst unterhaltsam, als er zu singen begann: „I Scream, You Scream, We All Scream for Ice Cream.“

Public Voices

„Eine wunderbare Einrichtung von Kurt Prohaska, die sich heuer noch um einen vierten Tag erweitert hat.“

„Das Programm heute war der pure Wahnsinn!“

„Der dritte Tag dieses einmaligen Festivals! Kein Wunder, dass er ausverkauft ist, bei dieser Anzahl von großartigen Musikern aus aller Welt. Es gibt nichts Vergleichbares für Kurt Prohaska´s eigen initiiertes und finanziertes Festival, das bereits im dritten Jahr seines Bestandes steht und jedes Jahr mehr Menschen für den Jazz begeistert.“

„Dieses Jazzfest war unvergleichlich gegenüber den vergangenen. Es war unglaublich, was diese Musiker und Sänger zustande brachten: ein Festival, das sich wahrlich mit internationalen Festivals der Vergangenheit auf eine Stufe stellen lässt, sowohl was die Auswahl der Stücke wie die Auswahl der Musiker und Sänger betrifft. Nicht die geringste Schwachstelle. Danke, Kurt, für diese Leistung in jeder Hinsicht !!!“